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Einfach faszinierend: Der Ginkgo

Wir möchten Ihnen hier ein paar interessante Dinge zum Ginkgo erzählen, den wir zu den großartigsten Bäumen auf dem Globus rechnen. Sie können diese wundervollen Bäume, Männchen und Weibchen, bei uns in Großheirath erwerben.

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 Wie Phönix aus der Asche

Die Atombombenexplosion von Hiroshima am 6. August 1945 markiert ein schreckliches Datum in der Geschichte der Menschheit: 300.000 Menschen fanden in Hiroshima und Nagasaki sofort oder infolge von Verbrennungen und Zerstrahlungen den Tod. Die gesamte Flora und Fauna wurde vernichtet. Nichts wuchs mehr auf dem verbrannten Boden. Einzige Ausnahme war ein ehemals imposanter Ginkgo-Baum, der wie ein Strohhalm gebrannt hatte. Mit ungläubigem Staunen beobachtete man, wie im nächsten Frühling der Ginkgo einen neuen Spross inmitten der total zerstörten Vegetation hervorbrachte. Dieser Spross wurde sorgfältig gepflegt und ist heute ein schöner Baum, der die Hoffnung in die Zukunft symbolisiert. Und dies – nach den tragischen Ereignissen von Fokishima – um so mehr!

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 Ein lebendes Fossil

Der Ginkgo überlebte nicht nur die Atombombe von Hiroshima. Als botanische Gattung scheint er der Zeit zu trotzen. Seine Ursprünge reichen etwa 300 Millionen Jahre zurück. Die heute lebende Art – oder zumindest ein ihr sehr nahe stehender Vorgänger – wuchs bereits von hundertfünfzig Millionen Jahren. Der Ginkgo ist somit, um einen Ausdruck von Charles Darwin zu gebrauchen, ein lebendes Fossil.

Seit dem erstmaligen Auftauchen des Ginkgo erlebte die Erde zahlreiche Katastrophen. Insbesondere am Ende der Kreidezeit, d. h. beim Übergang vom Mesozoikum zum Tertiär. Der Ginkgo hat diese kritische Epoche ebenso überdauert wie die Umwälzungen, die die Biosphäre im Miozän, also in der Mitte des Tertiär, erheblich veränderten.

Übrigens: Die beiden Blättchen, die Sie zum Navigieren auf unserer Homepage benutzen (zurück und vor), sind Blätter der ausgestorbenen Art Ginkgo adiantoides.

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 Ein Baum von erstaunlicher Widerstandskraft

Vor Jahren entdeckte man auch, dass sich der Ginkgo neben seinen ästhetischen Vorzügen hervorragend für die Bepflanzung von Städten eignet, da er eine außergewöhnliche Widerstandskraft gegenüber Autoabgasen und anderen schädlichen Umwelteinflüssen aufweist.

In New York gehört er zu den am häufigsten gepflanzten Arten entlang der Straßen von Manhatten; stirbt ein Baum, so wird er systematisch durch einen Ginkgo ersetzt.

Neben dieser Unempfindlichkeit gegenüber der modernen Umweltverschmutzung, die bei einer so alten Art wie Ironie wirkt, besitzt der Ginkgo eine erstaunliche Immunität gegenüber den üblichen Schädlingen. Befall durch Insekten sind selten und nicht schwerwiegend, und selbst in seinem Ursprungsland gibt es keinen für den Ginkgo spezifischen Schädling. Dies erstaunt um so mehr, wenn man das Alter des Ginkgo bedenkt.

Auch gegenüber Pilzen, die fast alle schächer werdenden Pflanzen befallen, zeigt der Ginkgo eine bemerkenswerte Resistenz. Das Gleiche gilt für Bakterien und Viren.

Worauf nun sind diese erstaunlichen Eigenschaften des Ginkgo zurückzuführen? Auf die ganz besondere Konstitution des Pflanzenwachses, das Bestandteil der Blätter ist, oder aber auf einen sekundären Alkohol, der bei den Gymnospermen anzutreffen ist und in den Ginkgo-Blättern reichlich vorkommt? Man kann nicht umhin, an eine besondere genetische Ausstattung zu denken, die es ihm ermöglicht hat, die zahlreichen Umwälzungen der Erde im Laufe von 200 bis 250 Millionen Jahren zu überdauern.

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 Der Urvater der Bäume

Was ist das nun für ein Baum, der schon so lange eine so außergewöhnliche Robustheit bewiesen hat? Er gehört zur Familie der Ginkgoaceen, die mehrere Arten umfasst, von denen sich nur Ginkgo biloba im Fernen Osten bis in unsere Zeit erhalten konnte; im Mesozoikum dagegen erstreckte sich das Verbreitungsgebiet der Ginkgoaceen über die ganze nördliche Hemisphäre und sogar bis nach Indien und Australien.

Dabei handelt es sich tatsächlich um einen “Baum”, einen der ersten mit einer typischen Baumsilhouette mit Wurzeln, Stamm, Ästen und Laubwerk und nicht um eine große “Pflanze”, wie die Zykadaceen, entfernte Verwandte des Ginkgo, oder die baumähnlichen Farne, wie wir sie heute beispielsweise in Neuseeland antreffen. Der Ginkgo ist außerdem ein sommergrüner Laubbaum, ein modernes Merkmal in der Pflanzenentwicklung.

Die Ginkgo-Silhouette ist im Sommer und Winter charakteristisch. Die jungen Bäume erinnern ein wenig an Koniferen, sind jedoch weniger streng. Der Ginkgo besitzt lange, wenig verzweigte Äste mit sehr kurzen Trieben, die dichte Blätterbündel tragen. Mit zunehmendem Alter teilen sich die Äste stärker, vergleichbar mit unseren Laubbäumen, und die ausgewachsenen Bäume besitzen eine ausgeprägte Krone. Häufig entstehen auf alten Ästen und sogar am Stamm neue Triebe. Die graue und zunächst glatte Rinde wird sehr bald rissig. Die sekundären Äste tragen lange und kurze Zweige, wobei die langen Zweige wechselständige und die kurzen Zweige bündelförmig angeordnete Blätter aufweisen.

Die imposantesten und ältesten Ginkgo-Bäume stehen in China – geheimnisvolle über 40 m hohe Exemplare, die fast 4000 Jahre alt sein sollen. In Japan und Korea kann man mehrere altehrwürdige Ginkgo-Bäume bewundern, die weit über tausend Jahre alt sind.

Die Ginkgo-Bäume außerhalb des Fernen Ostens sind kaum 200 Jahre alt und erreichen bisher nur eine sehr viel bescheidenere Höhe.

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 Herr und Frau Ginkgo

Ein typisches, aber nicht ungewöhnliches Merkmal des Ginkgo ist seine Zweihäusigkeit, d. h. es gibt männliche und weibliche Bäume. Bei den jungen Bäumen ist es zumindest auf den ersten Blick schwierig, weibliche und männliche Bäume zu unterscheiden; schwierig bleibt es auch bis zur ersten Blüte, die kaum vor 40 Jahren eintritt. Die weiblichen Bäume sind jedoch im Gegensatz zu den schmalen und hochstrebenden männlichen Bäumen runder und breiter ausladend.

Einfacher wird die Geschlechtsbestimmung des jungen Ginkgo, wenn Bäume beiderlei Geschlechts nebeneinander gepflanzt werden. Im Frühjahr entfalten die weiblichen Bäume ihre Knospen zwei bis drei Wochen später, im Herbst setzt der Laubfall entsprechend verzögert ein.

In der restlichen Zeit lassen sich die Bäume auch durch Beobachtung der Knospen unterscheiden. In groben Zügen sind diese bei den weiblichen Blüten klein, konisch und spitz zulaufend, bei den männlichen Bäumen größer abgerundet, mit einem stumpfen Ende.

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 Ein ungewöhnliches Blatt

Besonders charakteristisch sind die Blätter; sie sind ziemlich dick und zunächst hell- und schließlich graugrün; die Blattstruktur ist zugleich fest und weich. Bei den ausgewachsenen Bäumen haben sie in der Mitte einen mehr oder weniger tiefen Einschnitt; daher auch der Name des Baumes: “biloba”.

Die Ginkgo-Blätter sind sehr polymorph; an den langen Zweigen gewöhnlich fächerförmig und an den kurzen Zweigen mehr oder weniger regelmäßig “gelappt”. Die ganz jungen Bäume besitzen sehr unterschiedliche Blattformen, die zunächst, zum Zeitpunkt der Keimung, ein wenig an eine junge Farnpflanze erinnern. Die später entwickelten Blätter sind häufig unförmig; sehr unregelmäßig geteilt oder sogar geschlitzt, ähneln sie ein wenig den ersten fossilen Ginkgoales.

Der Blattstiel ist lang. Es gibt keine mittlere Rippe, sondern zwei Seitenrippen, ebenfalls eine Besonderheit des Ginkgo. Die Blattadern teilen sich dann gabelförmig, ohne Anastomosen. Durch diese wiederholte dichotomische Teilung wird die Versorgung des ganzen Blattes gewährleistet.

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 Klassifikation

Der Ginkgo wurde zunächst als eine Kuriosität bestaunt und entwickelte sich dann zu einem Rätsel für die Botaniker, da er sich jeder Klassifikation entzog. Erst nach langem Hin und Her verliehen sie ihm einen Sonderstatus im Pflanzenreich. Worauf gründete diese Entscheidung? Im Folgenden soll der Versuch einer Erklärung unternommen werden sowie die Einordnung des Ginkgo innerhalb des botanischen Systems.

Was ist eine Pflanze? Unterscheidung und Charakterisierung mögen einfach erscheinen, wenn man z. B. eine Eiche und ein Pferd betrachtet; sehr viel schwieriger wird es jedoch, wenn man Flagellaten mit Protozoen vergleichen will. Die moderne Klassifizierung scheint die traditionelle und vielleicht zu stark vereinfachende Einteilung der Lebewesen in ein „Tierreich” und ein „Pflanzenreich” außer Kraft zu setzen.

Neben den Viren und virenähnlichen Organismen (kann man sie als Lebewesen bezeichnen?) müssen Bakterien und Pilze von den eigentlichen Pflanzen unterschieden werden, die gekennzeichnet sind durch: Zelle mit Zellkern, Zellulose zur Stabilisierung der Zellwand, Photosynthese des Chlorophyll, Fehlen eines Nervensystemes und fehlende Motilität bei mehrzelligen Arten. Bei dieser restriktiven Pflanzenklassifikation sind immer noch mehrere hunderttausend heute lebende Pflanzen dazuzuzählen, von den Algen mit Zellkern bis hin zu den hochentwickelten Korbblütlern und Orchideen.

Die meisten Pflanzen auf der Erde konnten nur deshalb das Meer verlassen und sich auf der neuen ökologischen Nische Festland entwickeln, weil sie sich aufrichteten und verzweigten. Durch das „Lignin” entstanden die Kormophyten, eine Unterteilung, die fast alle derzeit auf der Erde lebenden Pflanzen umfasst und durch eine ligninhaltige und mit Blättern besetzte Pflanzenachse charakterisiert ist.

Durch immer besseren Schutz ihrer Nachkommen verbreiteten sich die modernen Pflanzen auf der Erde: aus diesem Grund bilden die Spermatophyten oder Samenpflanzen die heute weitaus zahlreichste Pflanzengruppe auf dem Festland.

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 Vorfahren und Verwandte

Bei der Entstehung der Ginkgoales vor 280 bis 225 Millionen Jahren waren die am höchsten entwickelten Pflanzen in einem grundlegenden Übergangsstadium ihrer Entwicklungsgeschichte angelangt: der Entwicklung der Samenanlage. Dies war die Epoche der berühmten „Samenfarne”, die ohne direkte Nachkommen ausstarben.

Die ersten fossilen Ginkgoales haben einfachere, stärker gegliederte und vor allem polymorphere Blätter. Im Laufe der Entwicklungsgeschichte wächst das Blatt immer mehr zusammen, wobei die ursprüngliche dichotomische Teilung beibehalten wird.

Die eigentlichen Ginkgos sind durch ihre langstieligen Blätter gekennzeichnet, wobei die zwei Seitenadern des Ginkgo-Stiels ein Zurückverfolgen seiner Entwicklungsgeschichte oder doch zumindest der seiner unmittelbaren Vorfahren ermöglichen.

Seine Blütezeit erlebte der Ginkgo im Jura, vor etwa 205 bis 135 Millionen Jahren, und in der Kreidezeit, vor rund 135 bis 65 Millionen Jahren, d. h. in der zweiten Hälfte des Mesozoikum. Die Ginkgos besaßen damals zahlreiche Verwandte: Ginkgoiten, Ginkgoidium, Phoenicopsis u. a.

Dann kam es sehr rasch zu einem Niedergang; im Tertiär sind nur mehr einige wenige Ginkgoarten bekannt, darunter die heutige, deren Verbreitungsgebiet mit dem Vorrücken der Gletscher und dem Ansturm der Koniferen und schließlich der Angiospermen allmählich zurückgeht. Unser Ginkgo ist der einzige Überlebende der ganzen Familie und bildet heute nicht nur eine Art, sondern auch eine Familie, eine Ordnung, eine Klasse.

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 Ein origineller Kompromiss

Der Ginkgo verbreitet weder Sporen (wie z. B. die Farne) noch Samen (wie der Nussbaum oder die Gräser), sondern eine Art Zwischenform: das, was als „Samenanlage” bezeichnet wird. In der Botanik stellt die mit einem Chromosomenpaar ausgestattete Eizelle die Fortpflanzungszelle dar. Sämtliche Fortpflanzungszellen der weiblichen Arten werden als Samenanlagen bezeichnet, d. h. also, die Eizelle und ihre Anhangsgebilde.

Dabei besteht ein ganz deutlicher Unterschied zum Samen. Bei den Samenpflanzen (Gymnospermae = Nacktsamer, Angiospermae = Samen, die durch eine Frucht geschützt sind) entwickelt sich die Samenanlage erst nach der Befruchtung, wenn sie sich in ein „Ei” verwandelt hat. Sie wird dann von der Mutterpflanze durch eine Plazenta ernährt und speichert Reserven, dann bildet sich ein winziger Embryo, der Keimling, der weiterhin mit der Mutter verbunden ist. Zu diesem Zeitpunkt endet die Entwicklung des Keimlings, das Band zur Mutterpflanze zerreißt und der Samen trocknet größtenteils aus; er erlebt einen Entwicklungsstillstand und gelangt dann meist durch verschiedene, manchmal sehr ungewöhnliche Mechanismen in ein Milieu, das seine Keimung fördert.

Obligatorische Befruchtung auf der Mutterpflanze, Bindung der Entwicklung an diese Befruchtung, Bildung des Endosperms auf Kosten des Prothallium, Entwicklung eines Keimlings, teilweise Austrocknung und vorübergehender Entwicklungsstillstand, der „Samen” des Ginkgo entspricht keinem dieser Kriterien moderner Pflanzen, die ihren Nachkommen die größtmöglichen Überlebenschancen bei einem Minimum an Aufwand sichern. Die Bezeichnung Samen trifft also in diesem Falle, zumindest in der engeren Wortbedeutung, nicht zu. Aus diesem Grunde wird der Ginkgo zu den „Präspermatophyten” gezählt. Ein Vergleich lässt sich zwischen der Samenanlage des Ginkgo und dem Ei eines Vogels einerseits und zwischen Samen und Embryo eines Säugetieres andererseits anstellen. Das Ei, das übrigens bis zur Befruchtung nur eine Eizelle ist, enthält große Mengen an Reserven; diese Reserven ermöglichen seine anschließende Entwicklung. Falls keine Befruchtung erfolgt, löst sich das Ei des Säugetieres auf; umgekehrt entwickelt es sich mit Hilfe seiner Plazenta und lebt praktisch als Parasit auf der Mutterpflanze. Diese Analogie kann noch weitergeführt werden durch eine Gleichsetzung von Uterus und Fruchtknoten.

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 Eine besondere Art der Fortpflanzung

Die Samenanlage war eine ganz wesentliche Errungenschaft; sie stellt jedoch nicht die einzige Besonderheit in der Fortpflanzung des Ginkgo dar. Bei den höheren Pflanzen keimt der Pollen auf der Narbe der Blume und stößt einen langen Schlauch bis zur Samenanlage vor, damit die männliche Keimzelle in die Eizelle eindringen kann.

Beim Ginkgo unterscheidet sich dieser Vorgang grundlegend. Am oberen Pol der Samenanlage bildet sich eine mit Flüssigkeit gefüllte äußerst kleine Höhle: die Pollenkammer. Diese Kammer besitzt eine winzig kleine Öffnung, die Mikropyle, durch die visköse Tröpfchen dringen, die ein Pollenkorn bei seinem Erscheinen einfangen.

Der Pollen keimt schließlich und erzeugt bewegliche Spermatozoide, die sich auf die Eizelle zubewegen und sie durchdringen, um mit ihr zu verschmelzen.

Dieser Mechanismus entspricht sowohl der Fortpflanzung der Tiere als auch der der Kryptogamen; mit dem Unterschied jedoch, dass sich alles in der weiblichen „Blume” selbst abspielt. Bei den Farnen dagegen, wie auch bei den Algen, werden die männlichen Gameten in die Natur ausgesetzt, wo die Mehrzahl verlorengeht.

Die Fortpflanzung des Ginkgo gilt damit, ebenso wie die der Samenpflanzen, bereits als „geschützt”. Dabei ist allerdings ein wichtiger Unterschied zu verzeichnen: Wachstum, Vermehrung der Reserven und Erlangung einer normalen Entwicklung der Samenanlagen vollziehen sich beim Ginkgo unabhängig von der eigentlichen Befruchtung, d. h. von der Fusion der Spermatozoiden mit der Eizelle, die oft erst Wochen nach dem Abfallen der Samenanlage erfolgt. Bei den modernen Pflanzen dagegen entwickeln sich der Samen und die ihn umgebende Frucht erst nach vollzogener Befruchtung. Dieses System ist sehr viel ökonomischer als das der Pflanzen mit Samenanlagen, die für ein möglicherweise bescheidenes Ergebnis sehr viel Energie verbrauchen: wenn z. B. bei zu großer Kälte die Befruchtung nicht zustande kommt. Außerdem müssen für ein Gelingen der Befruchtung mehrere günstige Bedingungen gegeben sein: der Embryo erlebt keine Dehydratation und keinen Entwicklungsstillstand, sein Wachstum verläuft kontinuierlich, d. h., er kann bei einer ihm ungünstigen Umgebung nicht auf eine Besserung der Bedingungen warten. Damit wird verständlich, warum die Samenpflanzen am Ende des Mesozoikum im Laufe von wenigen Millionen Jahren die Mehrzahl ihrer weniger wirtschaftlichen Konkurrenten verdrängt haben.

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 Wachstums- und Lebensbedingungen

Der Ginkgo ist ein robuster Baum, der in kühlen bis halbtropischen Zonen wächst, vorausgesetzt, das Klima ist nicht zu trocken. Er liebt jedoch ausgeprägte Sommer- und Winterperioden.

Er ist wenig anspruchsvoll, was die Qualität des Bodens anbelangt, bevorzugt aber, wie es scheint, silikathaltige Böden oder genügend „frische” Silikat­Tonerde-Böden, d. h. Böden, die das ganze Jahr über ausreichend feucht sind. Aufgrund der pflanzlichen Wachstumsfaktoren treibt der Ginkgo relativ leicht Wurzelschösslinge, was die Vermehrung insbesondere der männlichen Bäume begünstigt. Die weiblichen Bäume sind wegen massiver Erzeugung visköser und übelriechender Samen nach der ersten Reife nicht beliebt. Wenn die Samen am Boden liegen, löst sich ihr fleischiger Mantel rasch auf und die Nuss wird zum begehrten Objekt zwei- und vierfüßiger Sammler.

Entgeht sie dieser Gefahr und vorausgesetzt, dass Temperatur-, Boden- und Feuchtigkeitsbedingungen günstig sind und dass die Samenanlage befruchtet wurde, entwickelt sich der Keimling sofort und verwurzelt mit der Umgebung.

Das Wachstum erfolgt anfangs sehr rasch. Bei idealen Bedingungen bilden die jungen Ginkgos schnell eine vertikale Achse mit weniger kräftigen, horizontalen Zweigen. Nach fünf oder sechs Jahren können diese 2-3 m hoch sein. Dann verlangsamt sich das Wachstum, und es dauert ein halbes Jahrhundert, bis der Baum seine volle Schönheit erlangt.

Die besten Aussaaten sind zu Beginn des Frühjahrs zu erzielen mit im Herbst gut gereinigtem Saatgut, das in feuchtem Sand der Winterkälte ausgesetzt wird und vorkeimt.

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 Das Ende der Ginkgoales

Bei den Ginkgoales handelt es sich um eine Pflanzengruppe, wenn nicht um eine Klasse oder sogar einen Pflanzenstamm, dessen zahlreiche Arten, die zweihundert Millionen Jahre auf der Erde gelebt haben, im Tertiär, fast alle ausgestorben sind.

Ursache hierfür ist u. a. die Konkurrenz der Spermatophyten, aber auch die Abkühlung und Austrocknung der Erde zur damaligen Zeit. Wie kommt es nun, dass sich der letzte Ginkgo in Ostasien und ausschließlich dort erhalten hat? Diese Art musste besonders anpassungsfähig sein; eine Anpassungsfähigkeit, die sich noch heute zeigt. Die typische Blattform des Ginkgo ist bereits bei einigen Urformen zu beobachten. Vielleicht verdankt diese Gruppe ihre lange Geschichte auch einer sehr geringen Spezialisierung, die es der Biloba Art ermöglichte, sich an die neuen klimatischen Bedingungen anzupassen und so bis ins Quartär zu überleben.

Die aufeinanderfolgenden Eiszeiten sind den anderen Arten und übrigens auch dem damals in Amerika und Europa lebenden Ginkgo zum Verhängnis geworden. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sind ausgestorben, da sie keine sichere Zuflucht erreichen konnten, weil ihnen natürliche Hindernisse im Wege standen (Bergmassive, Ozeane, Steppen oder Wüsten). In Ostasien, einer weiten, zum Pazifik hin geöffneten Ebene, konnten die Ginkgos allmählich nach Süden vordringen in ein halbtropisches Klima, was für sie damals die Rettung bedeutete, trotz der harten Konkurrenz der Samenpflanzen.

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 Der Ginkgo im ostasiatischen Kulturkreis

Wann wurde dem Menschen erstmals klar, dass der Ginkgo aussterben würde? Warum beschloss er, ihn zu retten? Wir wissen es nicht.

Damals ahnte man noch nicht, welche ungewöhnlichen Eigenschaften dieser Baum besaß und dass es sich um ein kostbares Relikt aus der Vergangenheit handelte, das den kommenden Generationen unbedingt erhalten werden musste.

Die Verbreitung des Ginkgo in Ostasien hatte sicher religiöse und philosophische Gründe; zweifelsohne spielte aber auch die Achtung vor der Natur, und insbesondere vor den sehr alten Bäumen, eine Rolle. Die Bedeutung des Ahnenkultes in den Zivilisationen des Femen Ostens ist bekannt, und Chinesen und Japaner liebten es seit jeher, ihre Paläste und Heiligtümer mit wilder Natur zu schmücken. Die Zweihäusigkeit des Ginkgo entspricht dem Wunsch des Fernen Ostens nach Dialektik: Maximum und Minimum, Nord und Süd, männliches und weibliches Prinzip, Yin und Yang … Der Ginkgo wird übrigens gewöhnlich paarweise gepflanzt.

In Japan und Korea wurde der Ginkgo zur selben Zeit eingeführt wie in Nordchina, d. h. im 11. Jahrhundert, der Blütezeit des Buddhismus. Im gesamten Fernen Osten wird der Ginkgo trotz einiger zweckgebundener Verwendungsarten als verehrungswürdiger Baum angesehen.

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 Die Anfänge in Europa

Am Ende des 17. Jahrhunderts bereiste der deutsche Mediziner und Botaniker Engelbert Kaempfer Japan im Auftrag der Niederländischen Ost-Indischen-Company. Dort entdeckte er den Ginkgo, den er später in seinem 1712 veröffentlichten Buch „Amoenitatum exoticarum” ausführlich und mit sehr schönen Abbildungen beschrieb.

Der älteste europäische Ginkgo soll in Holland stehen; dieser Ginkgo wurde 1730 im botanischen Garten von Utrecht gesät. Der schöne Baum von Leiden stammt aus dem Jahre 1754. Im gleichen Jahr befand sich der Ginkgo bereits bei dem englischen Baumschulgärtner Gordon in Kultur; dieser Baum soll Vorbild gewesen sein für die Beschreibung durch Linné und für seine botanische Namengebung im Jahre 1771. Von England und Japan aus verbreitete sich der Ginkgo dann durch Stecklinge, Ableger und Saatgut in ganz Europa und gelangte 1784 in die USA.

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 Ein Dichter des Ginkgo

Goethe, unter anderem auch ein angesehener Botaniker, war beeindrucht von der Schönheit und Fremdartigkeit des Baumes. Im Buch Suleika des West-Östlichen Diwans findet sich dieses kurze Gedicht – das von der zweilappigen Form des Ginkgoblattes inspiriert ist – und das Goethe, bereits in hohem Alter, einer sehr jungen und ihm eng verbundenen Freundin nach einem gemeinsamen Spaziergang im Heidelberger Schlosspark widmete.

Dieses Baums Blatt, der von Osten
meinem Garten anvertraut,
gibt geheimen Sinn zu kosten,
wie's den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,
das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
dass man sie als eines kennt?

Solche Frage zu erwidern,
fand ich wohl den rechten Sinn:
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
dass ich eins und doppelt bin?

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 Der rätselhafte Name

Wie entstand der exotisch klingende Name Ginkgo? Es wird behauptet, dass durch einen orthographischen Irrtum von Kaempfer oder seinem Verleger ein „y” mit einem „g” verwechselt wurde; daher auch die von einigen Autoren vertretene Schreibweise „Ginkyo”.

Diese Ansicht ist jedoch umstritten und wurde in mehreren Arbeiten diskutiert, so vor allem von Hui Lin Li, der ihr 1956 zwei Seiten widmete. Der Name des Baumes gelangte nach einigem Hin und Her und mit verzerrter Aussprache von China nach Japan.

Wie auch immer, die Regeln der systematischen Botanik sind eindeutig und die richtige Schreib- und Sprechweise lautet: Ginkgo biloba. Im angelsächsischen Sprachraum bezeichnet man ihn auch als „maiden hair tree” aufgrund der Ähnlichkeit mit den Blättern des Frauenhaarfarns, eines sehr bekannten, eleganten, exotischen Farnes. Die Franzosen nennen ihn „Vierzig-Taler-Baum” aufgrund des hohen Preises, der für die ersten fünf 1780 von England nach Paris importierten Ginkgos gefordert wurde und, jedoch seltener, „Tausend Taler­Baum”; eine offenkundige Anspielung auf den Goldregen beim herbstlichen Laubfall.

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 Die Ginkgos in Deutschland

Die wahrscheinlich ältesten deutschen Ginkgos, die über 200 Jahre alt sein sollen, stehen im Park Wilhelmshöhe bei Kassel. Nach anderen Berichten soll das älteste deutsche Exemplar 1796 im Park von Schloss Dyck am Niederrhein gepflanzt worden sein. Schöne Ginkgo-Bäume sind auch in vielen anderen deutschen Städten zu finden.

Im deutschen Sprachraum heißt der Ginkgo nach den Blättern Fächerblattbaum, Entenfuß- und Elefantenohrbaum, nach der Nervatur auch Mädchenhaarbaum, nach den Früchten Aprikosenbaum und aufgrund seiner Vorgeschichte japanischer Tempelbaum. Am bekanntesten dürfte er inzwischen unter der korrekten wissenschaftlichen Bezeichnung Ginkgo biloba sein.

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 Hortikultur

Der Ginkgo gehört heute zu den am meisten gepflanzten Zierbäumen. Dabei verwendet man hauptsächlich die männlichen Bäume (durch Stecklinge), da die weiblichen Bäume wegen des unangenehmen Geruchs ihrer Samen, die fälschlicherweise auch als Früchte bezeichnet werden, nicht beliebt sind.

Einzeln, als „Muster”-Exemplar, oder in einer Gruppe, ist der Ginkgo immer eines der schönsten Schmuckstücke eines großen Gartens, eines Parks, eines öffentlichen Platzes oder dient als Umrahmung für ein Bauwerk. Selbst im Winter, ganz ohne Laubwerk, haben sein Wuchs und sein Astwerk etwas Erhabenes an sich. Im Frühling sprießen die Blätter hellgrün und nehmen dann ein hübsches, dunkleres Mattgrün an. Im Herbst, in unseren klimatischen Breiten, werden die Blätter goldfarben, und der Ginkgo sieht 2 – 3 Wochen lang prachtvoll aus, wenn nicht Herbststürme diesen Zustand vorzeitig beenden. An dieser Stelle sollte man auch kurz auf die „Bonsai-Ginkgos” eingehen, in Töpfen kultivierte Zwergbäume. Auch dies eine Technik – und eine Kunst -, die in früheren Zeiten von den Chinesen erfunden wurde und die erst vor kurzem über Japan zu uns gelangte, ein Land, das diese Kunst im Laufe der letzten Jahrhunderte perfektioniert und ihr zu einer einmaligen Blüte verholfen hat.

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 Das Holz des Ginkgo

Das gemaserte, kleinkörnige, helle und recht harte Ginkgoholz erinnert ein wenig an das Holz der Zitronenbäume. In China wurde es schon vor undenklichen Zeiten verarbeitet. So dient es seit alters her zur Herstellung von Gerichtstischen und buddhistischen Schreinen.

Daneben wird es aber auch für profanere Zwecke eingesetzt; so unter anderem für Kunsttischlereigegenstände, Kunstartikel, Rechenbretter, Skulpturen und in Japan auch für Utensilien des zeremoniellen Teetrinkens. Viele Schachfiguren oder Lackarbeiten werden aus Ginkgoholz hergestellt. All diese Dinge, sagt man, bleiben damit von Schädlingen verschont, ebenso wie der lebende Baum selbst.

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 Die Nuss

Bei der Reife, wenn sich die Samenanlage vom Baum löst, wird die fleischige Außenschicht weich und faltig. Versucht man sie von der Schale zu trennen, fühlt sie sich zugleich fettig und wachsartig an. Ist die Samenanlage erst einmal auf den Boden gefallen, fault sie sehr rasch und verbreitet einen unangenehmen, ranzigen Duft.

Die Nuss, von grüner Farbe, kann nach dem Waschen leicht aus der „Frucht” herausgelöst werden. Roh verzehrt, erinnert ihr Geschmack ein wenig an den einer rohen Kartoffel mit einer harzähnlichen Bitterkeit.

In gegrillter Form indessen gelten die Ginkgosamen als eine Delikatesse und sind im ganzen Fernen Osten sehr gefragt. Sie werden „Pa-Kewo” genannt und spielen dort eine ähnliche Rolle wie bei uns Pistazien.

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 Blatt und Syntheseeigenschaften

Den Blättern des Ginkgo widmete man von alters her die größte Aufmerksamkeit. Auch Goethes Gedicht zeugt hiervon. Die Verwendung zu Therapiezwecken ist schon in weit zurück liegenden Zeiten belegt. Heute nimmt sie den vordersten Platz ein. Pflanzen stellen schier unglaubliche biochemische Produktionsstätten dar und bieten uns eine immense Vielfalt von Molekülen, von denen der Mensch sich in allen Lebensbereichen viele zunutze gemacht hat, z. B. bei der Ernährung, bei Gewürzen, alten und neuen Medikamenten, Farb- und Duftstoffen und nicht zuletzt Pflanzenfasern, die Glukosepolymere darstellen.

Von besonderer Bedeutung sind die Synthesemöglichkeiten des Ginkgo, wobei aus seinen Blättern eine Vielzahl von Molekülen extrahiert werden, darunter Stoffe mit sehr interessanten Strukturen und Eigenschaften.

Einige Substanzen sind reichlich vorhanden, so insbesondere die Benzo-Gamma-Pyron-Derivate, d. h. die Flavonoide im weitesten Sinne des Begriffes: Flavone, Flavonole, Flavonone, Isoflavone u. a.

Noch charakteristischer sind die Biflavone, wie z. B. Ginkgetin, Isoginkgetin, Bilobetin u. a. Ihr Gehalt steigt mit dem Grad der Reife der Blätter. Auch die Proanthocyanidine kommen in großen Mengen vor.

Schließlich gibt es ganz spezifische Substanzen, wie das Bilobalid und die drei Ginkgolide A, B und C, deren Synthese bisher noch nicht gelungen ist.

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 Von der Tradition zur modernen Forschung

Die Chinesen setzten den Ginkgo seit alters her in der Behandlung ein, wie die berühmte Sammlung „Chen Noung Pen T’sao” schon 2800 Jahre vor Christus belegt. Daran haben sie bis heute festgehalten, wie das moderne, 1977 ins Englische übersetzte „Handbuch der Barfuß-Medizin” beweist.

Die chinesische Medizin verwendet die Ginkgo-Blätter als Wundpflaster und als Heiltee bei sehr unterschiedlichen Indikationen. Nach dem oben zitierten Handbuch soll die Pflanze der Bronchialobstruktion entgegenwirken, Husten und Asthma positiv beeinflussen und die Spermatogenese fördern. Die zu Brei verkochten Ginkgo-Blätter wurden gegen Frostbeulen verwandt, was die erst später von westlichen Pharmakologen festgestellten gefäßaktiven Eigenschaften bestätigt.

Seit einigen Jahrzehnten wird in Europa und USA ein Extrakt aus Ginkgo-Blättern gewonnen. Dabei kam man nach jahrelangen intensiven Arbeiten zu einem überraschenden Ergebnis: In den Ginkgo-Blättern gibt es nicht nur einen, sondern mehrere Stoffe, die eine Wirkung auf die Fließeigenschaften des Blutes und die Sauerstofftransportfunktion der roten Blutkörperchen haben. Die harmonische Wirkung trat in voller Stärke nur ein, wenn die Wirkstoffe der Ginkgo-Blätter in einem genau festgelegten Verhältnis vorhanden waren. Wie es scheint, bilden die einzelnen Komponenten ein übergeordnetes Ganzes.

Die pharmakologischen Wirkungen von Ginkgo biloba auf Hirnstoffwechsel und Durchblutung – insbesondere auf die Mikrozirkulation – sind inzwischen allgemein anerkannt.

Ginkgo biloba, ein lebendes Fossil, ein Freund des Menschen in einer modernen Zeit.

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 Literatur

Die hier wiedergegebenen Informationen sind folgendem Beitrag entnommen.

Anonymus (o.J.): Ginkgo biloba. Geschichte eines Baumes. Intersan, Ettlingen.